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Cover
KEIN AUTOR
Berlin
1963
Titel

Fortunatus. Neuausgabe des Original von 1509

Bemerkung

Ein Volksbuch aus dem Jahre 1509 wiederveröffentlicht

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SF-Referenz

CM-200022

RFID

200022

RFID-Status

nicht zugewiesen

Buch-ID

200022

Erstellt

13.11.2020

Letzte Änderung

17.01.2021

Änderung durch

jconzett

Text allgemein

In «Fortunatus», erstmals 1509 gedruckt, zeigt sich die Notwendigkeit, sich eine Identität zuzulegen, wenn es ums Geld geht. Heute hinterfragen wir dies nicht mehr, vor 500 Jahren war es aber neu. Die Geschichte fängt mit dem Vater des Fortunatus an, der aus der feudalen Gesellschaft rausfällt, weil er nicht mehr genügend verdient, um seinen hohen Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Dies symbolisiert den Zerfall der Feudalordnung.

Sein Sohn Fortunatus wird in die Emigration gezwungen und versucht dort, wieder zu Wohlstand zu kommen. Es gelingt nicht. In tiefer Verzweiflung trifft er schliesslich Göttin Fortuna, die ihm die Wahl gibt zwischen: a) langes Leben, b) Weisheit oder c) ein Säckel mit nie versiegenden Münzen. Fortunatus entscheidet sich für das Letztere. Er fühlt sich mit seinem Geld sofort allmächtig (einGefühl, das auch für den erfolgreichen Spekulanten und für den Lottokönig typisch ist) und übersieht dabei die vorherrschenden gesellschaftlichen Zwänge. Als er den Grafen für drei kostbare Pferde überbietet, lässt dieser ihn ins Gefängnis werfen – denn Rechtshoheit übt der Graf aus. Das kostet ihn fast das Leben.

Seine Lehre: Naivität in Gelddingen führt in den Ruin. Ihm wird klar, dass er fortan sein Leben auf einer Lüge aufbauen muss, denn er darf das Geheimnis des «nie versiegenden Säckels» niemandem anvertrauen, nicht mal in Zukunft seiner Ehefrau. Er legt sich behutsam eine Identität zu, indem er sich einen Knecht und zwei Pferde anschafft. Auch als er später in seine Heimatstadt zurückkehrt und sich einen Palast baut, muss er sich die Identität eines Adligen konstruieren. Denn Bargeld allein hätte den Argwohn der Gesellschaft geweckt. So erwirbt er Hof und Gut eines verarmten Grafen und verfügt damit auch über Leute, so wie es sich für Adlige gehört.