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Books

Cover
Winckler, Nicolaus
Augsburg
1582
Titel

Bedencken Von Künfftiger verenderung Weltlicher Policey vnd Ende der Welt. Vom Ende der Welt.  

Bemerkung

Bedencken Von Künfftiger verenderung Weltlicher Policey vnd Ende der Welt : auß heyliger Göttlicher Schrifft vnnd Patribus, auch auß dem Lauff der Natur des 83. biß auff das 88. vnd 89. Jars. Die Tragödie des Doktor Faustus

Abstract

Wincklers Werk erschien noch 5 Jahre vor der Veröffentlichung der Faust-Sage (1987).

Im ersten Teil (Kapitel 1 – 17) erfahren wir, dass Faust der Sohn eines Bauern aus Roda bei Weimar gewesen sein soll. Ein wohlhabender Vetter aus der Lutherstadt Wittenberg machte ihn zum Erben und ermöglicht Faust das Studium der Theologie. Nachdem er sein Theologiestudium mit einem Doktortitel abge­schlossen hat, erfahren wir, dass Faust sich von der Theologie abwendet und sich der „Speculation“ hingibt.

Faust wandelt sich in der Folgezeit vom Theologen zum Weltmenschen. Wir erfahren, dass er sich fortan „D. Medicinae“ nennt und sich mit der Astrologie und der Mathematik beschäftigt und als Arzt tätig gewesen sein soll.

Der vierte und letzte Abschnitt (Kapitel 60-68) handelt vom letzten Jahr des Paktes und vom grausamen Tod des D. Faustus.

Die „Historia“ erschien im Verlag des Johann Spies neben Büchern, die ebenfalls der Förderung der „waren“ Religion dienen sollten. Man kann die „Historia“ ohne weiteres als „Religionsdidaktische Lehrschrift“ bezeichnen. Sie schildert anhand des Beispiels Faust, was mit Menschen passieren wird, die sich der Zauberei und der Magie verschreiben. Dennoch ist das Buch und sein Inhalt von den Zeitgenossen unterschiedlich aufgenommen worden. Die enorme Wirkung, die die „Historia“ auf ihre Zeitgenossen ausgeübt haben muss, kann schon daran abgelesen werden, dass bis in das Jahr 1598 insgesamt 22 Drucke bzw. Auflagen erschienen sind.

Die Historia der Faustsage besteht aus drei Teilen. Zunächst das eigentlich Teufelsbündnis mit den ersten Abenteuern. Die sind aber kaum Abenteuer, sondern bestehen vor allem darin, dass Faust von ‘seinem’ Teufel (er heisst Mephistophiles) theologische Auskünfte verlangt – zum Beispiel über die Ordnung der Engel oder die Struktur der Hölle. Teil 2 beinhaltet eigentliche Abenteuer Fausts, bzw. schildert Faust den Astronomen und Astrologen, den Wissenschaftler und Forscher im engeren Sinn. Für seine Forschungen unternimmt er auch (mit Unterstützung des Mephistophiles) Ausflüge ins All und eine Reise um die Welt. Der dritte Teil (der Teil auch, der bei den Neudrucken im 16. Jahrhundert jeweils erweitert wurde) schildert Faust als Magier – de facto ohne seinen Teufel. Der kommt erst ganz am Ende wieder prominent ins Spiel, als Faust von eben ihm geholt wird.

Bilder
Links
SF-Referenz

MM00270

RFID

270

RFID-Status

zugewiesen

Buch-ID

632

Erstellt

15.08.2019

Letzte Änderung

26.03.2022

Änderung durch

jconzett

Text allgemein

Also kein Volksbuch. Aber was dann? Genau hier steckt der Wurm. Wie schon gesagt, erschien die Historia von D. Johann Fausten anonym.

Das Buch war – zumindest in den ersten 10 Jahren seiner verlegerischen Existenz – eine Art Kassenschlager und wurde in paar Mal aufgelegt.

Historia von D. Johann Fausten. Text des Druckes von 1587. Kritische Ausgabe. Mit den Zusatztexten der Wolfenbütteler Handschrift und der zeitgenössischen Drucke. Herausgegeben von Stephan Füssel und Hans Joachim Kreutzer. Ditzingen: Reclam, 2018.

Auch in Basel wurde das Verbreiten der „Historia“, unter Zuhilfenahme der gleichen Argumente, unter Strafe gestellt.[84] In Tübingen wurden Studenten in Haft genommen, weil sie sich mit der „Historia“ beschäftigten.

Text Jürg

Lessing und der Fauststoff — das scheint auf den ersten Blick nicht zusammenzupassen. Lessing, der das Streben nach Wahrheit und Erkenntnis zeit seines Lebens für den höchsten Trieb im Menschen hält, der nach dem vernünftigen Kern der Religion fragt und für den die historischen (»positiven«) Religionen nur vorläufig sind, der insbesondere die »ewige Verdammung« des Sünders bestreitet (Leibnitz von den ewigen Strafen) — was konnte Lessing an einem Stoff finden, der den Interessen des Aufklärers geradezu entgegengesetzt zu sein scheint? Fausts »Wissensdrang« wird im Volksbuch als Frevel wider die göttliche Ordnung gewertet, als der verdammungswürdige Versuch, hinter die Geheimnisse Gottes zu gelangen. Faust ist der Sünde der superbia anheimgefallen. Zugleich erscheint der Erkenntnishunger mit dem Streben nach Macht und sinnlichem Genuss verbunden, mit der grenzenlosen Befriedigung »niedriger« Begierden.

Wie lässt sich erklären, dass sich Lessing und andere immer wieder mit diesem Stoff beschäftigen? Siehe Lessing-Handbuch von Monika Fick.